Der Iran-Konflikt scheint länger anzuhalten als ursprünglich von den USA gedacht. Vor allem die Schließung der Straße von Hormuz am Persischen Golf und die Zerstörung von Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten durch iranische Drohnen und Raketen werden massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.
Bedeutung der Straße von Hormuz
Die Schließung wurde nicht nur vom Iran, sondern auch durch die Versicherer ausgelöst. Sie haben die Kriegsrisikodeckungen weitgehend zurückgezogen, wodurch ein wirtschaftlich faktischer Stopp für normale Tanker‑ und Containerschifffahrt entstanden ist.
Durch die Straße von Hormuz, die seit dem 2. März geschlossen ist, laufen rund 20 Prozent des weltweiten Gas- und Ölhandels. Das sind pro Tag 20 Millionen Barrel Öl und 10–11 Milliarden Kubikfuß LNG (Erdgas). Pro Tag werden weltweit grob etwa 100–103 Millionen Barrel Öl und rund 11–12 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Die aus der strategischen Reserve der westlichen Länder nun freigesetzten 400 Millionen Barrel Öl überbrücken also die Schließung der Straße von Hormuz rein rechnerisch rund 20 Tage.
Die Straße von Hormuz ist aber auch eine zentrale Drehscheibe für Dünger. Rund 200.000 Tonnen werden dort pro Tag in die Welt verschifft. Damit sind 30–40 Prozent des globalen Düngerverbrauchs bzw. -handels von Hormuz abhängig.
Daneben werden Ethylen, Propylen, Benzol (Benzene) und andere aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Polymer‑Pellets (v. a. PE, PP) in großen Mengen als fertige Produkte bzw. Zwischenprodukte durch Hormuz exportiert, vor allem aus Saudi‑Arabien, den VAE, Katar und Kuwait Richtung China, übriges Asien und die EU.
Wirtschaftliche Implikationen
Neben den zu erwartenden heftigen Preissteigerungen für Öl, Gas, Düngemittel und andere Produkte, die sich auf die Industrie und Privathaushalte niederschlagen werden, führt die Blockade wahrscheinlich bald zu starken Lieferengpässen, so dass nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Lebensmittelproduktion stark beeinträchtigt sein wird. Es trifft zuerst die ärmeren Länder, die sich die explodierenden Preise nicht mehr leisten können.
Aber auch die Finanzmärkte werden die Sperre zu spüren bekommen, wenn die Golfstaaten durch ihren Einnahmeausfall gezwungen sein werden, ihr häufig in US-Aktien und US-Staatsanleihen angelegtes Vermögen teilweise zu liquidieren. Das wird die Kurse drücken und bei US-Staatsanleihen die Zinsen steigen lassen.
Deutschland ist weniger direkt abhängig. Doch höhere Energiepreise belasten auch hier die heimische Industrie und die Verbraucher. Die Inflation könnte dadurch um 1 Prozentpunkt steigen, und die Wachstumsschwäche könnte sich weiter intensivieren.
Dubai unter Beschuss
Auch supermoderne Wüstenstädte in den Golf-Staaten wie Dubai spüren bereits jetzt die Auswirkungen des militärischen Konfliktes und einzelner Drohnenangriffe. Die vermögenden ausländischen Bewohner ziehen zunehmend ihr Kapital ab und treten die Flucht an. In der Folge sind die Immobilienpreise in Dubai ins Rutschen geraten. Ein Nachrichtensperre mit drakonischen Strafen für Verstöße versucht Panik zu verhindern.
Energie-Lockdowns
Manche Wirtschaftsexperten fürchten das Schlimmste und fühlen sich an den Beginn der Corona-Krise erinnert, die sich als Welle auch langsam aufgebaut hat. So gibt es aktuell in Teilen Asiens bereits spürbare Energierestriktionen, und ein länger andauernder Ausfall der Straße von Hormuz könnte solche Maßnahmen bis hin zu Energie-Lockdowns verschärfen.




