Bei unserem Netzwerknachmittag am 18.3.2026 bei HLB Schumacher in Münster zum Thema "Asset Protection" habe ich im ersten Teil einen Überblick über ökonomische Risiken 2026 gegeben. Hier finden Sie meine Präsentation als PDF-Download. Nachfolgend eine Zusammenfassung und Erläuterung der einzelnen Seiten.
Einordnung: Vermögen im „Zeitalter der Mehrfachkrisen“
Ausgangspunkt meiner Präsentation ist die Feststellung, dass wir uns in einem Zeitalter multipler Krisen befinden: Verschuldungsdynamik, aufgeblähte Notenbankbilanzen, historisch hohe Asset-Bewertungen, eine politisch zunehmend interventionistische Finanzordnung und massive geopolitische Krisen wie der aktuelle Iran-Konflikt.
Für alle Investoren stellt sich daher nicht mehr nur die Frage, wie Vermögen rentabel angelegt werden kann, sondern vor allem, wie sich Kaufkraft, Eigentumsrechte und Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten sichern lassen.
Am Beispiel Deutschlands zeigt meine Präsentation zunächst die Größenordnung der vorhandenen Vermögen: Privat- und Gewerbeimmobilien dominieren mit zusammen rund 36 Billionen Euro. Hinzu kommen nicht börsennotierte Unternehmen, Bankguthaben, sonstige Anlagen und Aktien. Damit wird deutlich, dass ein Großteil des Vermögens in relativ illiquiden Sachwerten bzw. im Finanzsystem selbst gebunden ist – und damit sowohl Markt- als auch Systemrisiken ausgesetzt ist. Das gesamte investierbare Vermögen der Welt soll übrigens bei rund 500 Billionen US-Dollar liegen
Kaufkraftverlust und Fehlwahrnehmung von „Sicherheit“
Ein zentrales Motiv meiner Präsentation ist die Diskrepanz zwischen nominaler und realer Werterhaltung. Anhand der Entwicklung des Euro gegenüber Gold von 2000 bis 2026 zeige ich, dass der Euro in diesem Zeitraum gemessen an einer Unze Gold rund 90 Prozent an Kaufkraft verloren hat. Während viele Sparer und Anleger den Euro als „stabiles“ Geld empfinden, macht der Vergleich mit einem knappen Sachwert deutlich, wie stark stille Enteignung durch Inflation und Geldmengenexpansion bereits stattgefunden hat.
Ähnliches zeigt der Blick auf den Immobilienmarkt: In Euro gerechnet sind die Quadratmeterpreise in Deutschland über Jahrzehnte deutlich gestiegen, was den Eindruck eines robusten Werterhalts vermittelt. Bewertet man Immobilienpreise jedoch in Gold, wird sichtbar, dass der reale Wert über lange Phasen stagnierte oder sogar zurückging, obwohl die Preise in Euro ständig neue Höchststände markierten. Damit verdeutlicht die Präsentation: Nominale Preissteigerungen sind kein Garant für reale Vermögenssicherung.
Arbeit, Wohnen, Gold: Belastung der Mittelschicht
Meine Präsentation illustriert weiter die Verschiebung der Wohlstandsverhältnisse aus Sicht der arbeitenden Mittelschicht. Eine Tabelle zeigt, wie viele Jahresgehälter ein durchschnittliches Einfamilienhaus in verschiedenen Jahrzehnten gekostet hat: Während in den 1950er- und 1960er-Jahren etwa zehn Jahres-Nettoeinkommen ausreichten, sind es in den 2000er- und 2010er-Jahren bereits deutlich mehr, mit Spitzen von 16 bis 18 Jahresgehältern. Wohnen wird damit langfristig teurer in Relation zur Arbeitsleistung – ein Indikator für die schleichende Entwertung von Arbeit gegenüber Vermögen. Kein Wunder, dass sich junge Leute keine Immobilie mehr leisten können.
Noch drastischer fällt der Vergleich Arbeitsstunden pro Unze Gold aus. Um das Jahr 2000 herum reichte etwa ein Arbeitstag, um eine Unze Gold zu verdienen, während 2026 mehr als ein Monat Vollzeitarbeit nötig ist. Diese Kennzahl macht anschaulich, wie stark die Kaufkraft des Durchschnittseinkommens gegenüber einem knappen Sachwert erodiert ist und wie sehr sich reale Vermögensbildung für breite Schichten erschwert hat. Und angesichts der hohen Steuern und Abgaben (bis zu 70 Prozent inkl. Mehrwertsteuer) verwundert es auch nicht, wenn die junge Generation weniger arbeiten möchte.
Staatsverschuldung, Geldpolitik
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Ausführungen lag auf der fiskalischen und geldpolitischen Überschuldungsdynamik. Die Entwicklung der US-Staatsschulden seit 1950 zeigt einen zunächst moderaten, seit den 2000er-Jahren jedoch exponentiell verlaufenden Anstieg, mit Werten heute nahe 40 Billionen US-Dollar und darüber hinaus in den Prognosen. Ergänzt wird dies durch ein Szenario, das die Wirkung von Zinseszinsen und jährlicher Neuverschuldung demonstriert: Bei hohen Zinssätzen und fortgesetzten Defiziten wachsen die Schuldenberge in wenigen Jahrzehnten in theoretisch kaum beherrschbare Größenordnungen.
Parallel dazu verweist meine Präsentation auf die Bilanzsumme der US-Federal Reserve, die übrigens 1913 klammheimlich von privaten Geschäftsbanken gegründet wurde und alles andere als neutral ist. Deren Bilanzsumme als Geldmonopolist wurde insbesondere seit der Finanz- und Coronakrise massiv ausgeweitet und unser jetziges Fiat-Geldsystem durch „Gelddrucken“ zu einer Geldverschlechterung führt.
Kleiner Exkurs: Mit „Fiat“ meint man den lateinischen Ausdruck „es werde“ und damit die Fähigkeit zur Geldschöpfung aus dem Nichts. Geld entsteht im Kapitalismus durch Kreditvergabe. Wenn Geschäftsbanken Kredite vergeben, entsteht Geld aus dem Nichts. Es werden nicht, wie man landläufig meint, Spareinlagen verwendet. Die Bundesbank hat hierzu einiges geschrieben. Einen empirischen Test dazu hat Prof. Richard Werner bei einer Volksbank durchgeführt. Zentralbanken wie die EZB und FED schöpfen Geld dagegen meist durch indirekte Ankäufe von Staatsanleihen.
Asset-Blasen
Meine Grafik illustriert, wie das Fiat-Geldsystem über die Notenbankbilanz stabilisiert wird – um den Preis immer weiterer Liquidität und zunehmender Abhängigkeit der Märkte von billigem Geld. In Kombination mit Indikatoren wie dem Buffett Indikator (Marktkapitalisierung/BIP) und dem Shiller-Index (zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis) wird gezeigt, dass viele Asset-Märkte historisch extrem hoch bewertet sind. Wir befinden uns in einer Welt der Asset-Blasen. Vermögenspreisblasen sind die Folge des von der Kreditgeldschöpfung verursachten Boom- und Bust-Zyklen.
Der Shiller-Index und der Buffett Indicator liegen aktuell beide deutlich im „Blasen‑Bereich“, historisch vergleichbar nur mit extremen Phasen wie Dotcom‑Blase – was auf stark erhöhtes Rückschlagsrisiko und niedrige künftige Renditen hindeutet.
- Shiller-Index: Der Shiller-Index misst, wie teuer Aktien (typisch der S&P 500) im Verhältnis zu ihren durchschnittlichen Gewinnen der letzten 10 Jahre sind, inflationsbereinigt. Ein „normaler“ Langfristwert liegt grob um 16, typische Spannbreite etwa 20–25 in moderaten Boomphasen. Aktuell liegt er für den S&P 500 bei rund 39–39,5, nachdem er Anfang 2026 zeitweise sogar über 40 gestiegen ist. Das ist historisch extrem.
- Der Buffett Indikator vergleicht den Gesamtwert aller börsennotierten US‑Aktien mit der Wirtschaftsleistung (BIP). Er beantwortet die Frage: „Wie viel fiktiven Marktwert haben die Börsen im Vergleich zur realen Wirtschaft?“ Als grobe Faustregel gelten 70–90% als fair, ab etwa 100% beginnt die Überbewertung und ab etwa 120–150% spricht man von stark überteuert. Aktuell liegt der US‑Buffett‑Indikator (Ende 2025) bei ca. 230% – also mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung und etwa 75% über dem historischen Trend.
Europäische Schuldenlage und systemische Eingriffsrisiken
Die Schuldenkarte der EU verdeutlicht, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent des BIP liegt. Länder wie Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Belgien weisen deutlich höhere Quoten auf, während selbst Deutschland knapp über der formalen Obergrenze liegt, einschließlich der sogenannten impliziten Schulden für zukünftige Rentenverpflichtungen schon weit darüber. Dies unterstreicht, dass das europäische Schuldenproblem ein strukturelles und kein randständiges Phänomen ist. Das größte Problem in Europa stellt aktuell Frankreich dar.
Mögliche Entwicklungsszenarien
Die Schulden der USA und vieler westlicher Länder können nicht mehr zurückgezahlt werden. Sie werden bei Fälligkeit üblicherweise durch neue Kredite prolongiert. Hinzu kommen die steigenden Zinslasten, die ebenfalls durch neue Kredite abgedeckt werden müssen. Das ist übrigens ein entscheidender Webfehler im Fiat-Geldsystem, dass die fälligen Zinsen nicht "mitgedruckt" werden. Das System ist deshalb, je nach Höhe des Zinssatzes, zum Wachstum und ständiger Kreditausweitung verdammt. Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass solche Situationen häufig zu Lasten der Bürger durch erzwungene (Hyper)Inflation und finanzielle Repression gelöst werden. Die Alternative wären Staatspleiten, die dann viele Märkte crashen lassen und in einer Deflationsspirale enden würden.
Jeder muss für sich nach individuellen Risikopräferenzen und Glaubenssätzen ein realistisches ökonomisches Szenarioentwerfen und seine Anlagestrategie darauf ausrichten.
Vorbereitung der Gläubigerhaftung
In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, die rechtlichen und regulatorischen Instrumente zu kennen, die den Rahmen für künftige Krisenreaktionen setzen und in den letzten Jahren von der Politik installiert wurden, ohne dass sie in der Öffentlichkeit diskutiert wurden:
- Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (SAG),
- Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG),
- Lastenausgleichsgesetz,
- digitale Zentralbankwährungen (CBDC: Central Bank Digital Currenc) wie der digitale Euro,
- private US-Stablecoins als CBDC-Alternative,
- und globale Tokenisierung.
Nicht zu vergessen ist die neue EU-Anti‑Geldwäschebehörde AMLA (Anti‑Money Laundering Authority) mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie soll offiziell gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vorgehen. Sie ist Teil des EU‑Geldwäschepakets (u.a. AMLA‑Verordnung, neue EU‑Geldwäscheverordnung, 6. EU‑Geldwäscherichtlinie). Diskutiert wird auch eine Beweislastumkehr, was bedeuten würde, dass nicht erklärbares und nachweisbares Vermögen konfiskiert werden kann.
In der Zusammenschau entsteht die Perspektive eines Systems, das – insbesondere im Krisenfall – über weitreichende Zugriffsmöglichkeiten auf privates Vermögen, Konten, Versicherungen und Immobilien verfügt. Risiken wie „Bail-in“ (Gläubigerhaftung), (Hyper-)Inflation, Währungsreform und neue Digitalgeld-Regime markieren mögliche Pfade, über die Vermögen partiell umverteilt oder entwertet werden können. Auch geht es um eine zunehmende digitale Steuerung und Überwachung der Bevölkerung.
„Great Taking“: Gefahr struktureller Enteignung
Meine Präsentation knüpft schließlich noch an die Diskussion um das vom früheren Hedgefondsmanager und jetzigen Whistleblower David Rogers Webb 2023 herausgebrachten Buches The Great Taking an, in dem die These einer strukturellen Enteignung über Finanzmarkt- und Eigentumsrecht thematisiert wird. Im Kontext der dargestellten Gesetze, Regulierungen und Digitalisierungspläne wird die Sorge skizziert, dass in einem künftigen Systemschritt sogar Eigentum an Aktien und Fonds nicht nur faktisch, sondern auch rechtlich leichter zu enteignen sind. Hier die deutsche Version von Great Taking als kostenloses PDF.
Was tun? Grundlinien einer Asset-Protection-Strategie
Im abschließenden Teil ging es um die praktische Frage „Was tun?“. Die zuvor skizzierten Risiken – Kaufkraftverlust, Überbewertung von Assets, Überschuldung, rechtliche Eingriffsinstrumente, Digitalisierung des Geldes – sind keine Prognosen mit Datum, sondern ein Risikorahmen, der eine vorausschauende Strukturierung des Vermögens verlangt.
Asset Protection bedeutet in diesem Verständnis nicht Spekulation, sondern Verteidigung: die Trennung von Betriebs- und Privatvermögen, die Entflechtung von Haftungsstrukturen, die Diversifikation über Währungen, Länder und Anlageklassen sowie die Bevorzugung von Vermögenswerten mit geringer Gegenparteirisiko-Struktur (Counterparty Risk). Dazu gehören etwa der bewusste Einsatz von Sachwerten, eine kluge Liquiditätsreserve außerhalb rein digitaler oder leicht kontrollierbarer Kanäle sowie ein genauer Blick auf die rechtliche „Verpackung“ des Vermögens – von Gesellschaftsstrukturen über Versicherungsprodukte bis hin zu möglichen Stiftungs- und Spezialvehikeln.
Vor allem aber ist eine mentale Vorbereitung auf unschöne Dinge wichtig. Wir befinden uns mitten in einem geo- und geldpolitischen Transformationsprozess. Unsere Nachkriegsordnung neigt sich dem Ende zu. Wie eine neue Weltordnung aussehen könnte, ist noch unklar. Offiziell wird von einer neuen multipolaren Welt gesprochen (Westen gegen BRICS-Länder). Schaut man genauer hin, sieht man aber eine zunehmende Monopolwirtschaft unter Federführung von Blackrock & Co.




