Mit Ausnahme einige spekulativer Tech- und Rohstoffaktien waren Edelmetalle 2025 die erfolgreichste Anlagenklasse. Vor allem Silber hat 2025 stark zugelegt. Auch 2026 hat stark begonnen, bevor es zu einer heftigen Kurskorrektur Ende Januar kam. Hier ein kurzer Überblick über die jüngste Entwicklung.
Renditen
Gold ist 2025 um über 70 Prozent gestiegen, Silber sogar um rund 150 Prozent. Dagegen sind die Steigerungen von Aktien eher bescheiden. So hat der US-Aktienindex S & P um rund 35 Prozent zugelegt. Ähnliche Größenordnungen verzeichneten der DAX und die in der Presse ständig erwähnte Tech-Aktie Nvidia. Bitcoin hat dagegen mit einer Stagnation enttäuscht.
Tumulte am Silbermarkt
Im Dezember waren die Silbermärkte in Aufruhr. An der Londoner Börse COMEX gab es offensichtlich Engpässe bei physischem Silber, weil Terminkontrakte ausliefen und erfüllt werden mussten. Zudem gab es immer wieder eine Preisdifferenz zwischen London und der aufstrebenden Silber-Börse in Shanghai.
Von Backwardation sprechen die Finanzexperten, wenn der Kassapreis (Spot) über den Preisen der Futures für spätere Lieferung liegt – also z.B. der Preis „heute“ höher ist als für Lieferung in 3 oder 6 Monaten. In „normalen“ Terminmärkten notieren Futures meist teurer als Spot (Contango), weil Lager‑, Versicherungs‑ und Finanzierungskosten eingepreist werden. Backwardation signalisiert daher typischerweise Knappheit oder sehr hohe Nachfrage nach sofort lieferbarer Ware.
Als Auslöser gelten die starke industrielle Nachfrage (v.a. Solar, EV, Halbleiter), ein strukturelles Angebotsdefizit und die Aussicht auf eingeschränkte chinesische Exporte, so dass Händler und Industrie bereit waren und sind, für sofort verfügbares Metall einen Aufschlag zu zahlen.
Crash Ende Januar
Auch Ende Januar 2026 kam es zu erneuten Verwerfungen als der Londoner Silbermarkt buchstäblich kollabierte. Der Silberkurs viel von fast 100 Euro pro Unze auf zwischenzeitlich 60 Euro. Nur zwei Tage später drehte der Markt jedoch wieder ins Positive. Nun muss man wissen, dass auf dem Londoner Silbermarkt (COMEX) zum Großteil nur Futures (Papiersilber) gehandelt werden, in Shanghai dagegen überwiegend physische Edelmetalle. Der Aufschlag (Premium) betrug am Crash-Freitag (30.1.) teilweise über 30 Prozent. China scheint aktuell der Magnet für reale Werte zu sein. Im Westen werden dagegen überwiegend Versprechen gehandelt, für die gar nicht genug physisches Silber und Gold hinterlegt sein sollen.
Chinas Exportbeschränkungen
In China greifen seit dem 1. Januar 2026 deutlich strengere Exportkontrollen und eine Lizenzpflicht für Ausfuhren. Silber wird somit von der chinesischen Regierung als „strategischer Rohstoff“ behandelt, Exporte werden kanalisiert und können mengenmäßig eingeschränkt werden, sind aber nicht generell verboten.
Industrielle Silbernachfrage
Weltweit werden aktuell rund 680–700 Millionen Unzen Silber pro Jahr industriell verbraucht, also etwa 21–22 Tausend Tonnen, Tendenz weiter steigend. Das entspricht grob 55–60 Prozent der gesamten globalen Silbernachfrage. Weltweit werden derzeit gut 800–820 Mio. Unzen Silber pro Jahr aus Minen gefördert, also rund 25–26 Tausend Tonnen. Gefördert wird vor allem in wenigen großen Produzentenländern wie Mexiko, China und Peru.
Die wichtigsten industriellen Einsatzbereiche sind:
- Photovoltaik (Solar) ist der wachstumsstärkste Einzelbereich. Der Silberbedarf für PV ist von etwa 60 Mio. Unzen (2015) auf grob 200–230 Mio. Unzen im Jahr 2024 gestiegen. Silber wird in Form von hochleitfähigen Pasten auf die Solarzellen gedruckt und bildet die leitfähigen Sammelschienen und Finger, die den erzeugten Strom aus der Zelle abführen.
- Elektronik, Fahrzeuge, Netze, KI ohne PV beansprucht Größenordnungen von 250+ Mio. Unzen jährlich, z.B. in Leiterbahnen, Kontakten, Steckern, Relais, Halbleitern und Konsumelektronik.
- In der Autoindustrie wird Silber in Steuergeräten, Sensoren, Hochvolt‑Kontakten von E‑Fahrzeugen sowie in Ladeinfrastruktur verwendet. Zusätzlich wächst der Bedarf durch Elektrifizierung und Assistenzsysteme.
- Rechenzentren, Hochleistungs‑Server und KI‑Hardware erhöhen den Silberverbrauch in Hochgeschwindigkeits‑Verbindern, Leiterplatten und Stromversorgungskomponenten.
Fazit
Elon Musk hat auf X schon gewarnt, dass der drastische Anstieg des Silberpreises nicht gut ist. Marktbeobachter erwarten gleichwohl eine spürbare Verknappung chinesischer Silberexporte, was bereits zu stark steigenden Preisen und Nervosität in Solar‑, Elektronik‑ und EV‑Industrie geführt hat. Silber bleibt damit ein interessantes Investment, auch aus dem Blickpunkt der zunehmenden Geldentwertung.

